Am Ausgangspunkt, nun etliche Jahre her, stand mein grosses Unverständnis darüber, was in unserer Konsumgesellschaft an enormen Mengen eigentlich wertiger Materialien und Rohstoffen, meist nach einmaligem Gebrauch, weggeworfen, entsorgt oder verbrannt wird. Beispielsweise grossvolumige Transportverpackungen in Form von Kartonschachteln und Kartonröhren aus Industrie und Gewerbe (Autotüren, PC’s, Maschinenteile, Kühlschränke usw.)
Diese Tatsachen gaben bei mir den Anstoss, diese «Rohstoffe» in irgendeiner Form sinnvoller wieder zu verwerten, sie somit in ein «neues Etwas» zu verwandeln. Heute nennen wir es Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, re-use und zero waste.
Als gelernte Innendekorateurin war es naheliegend, dass meine Wahl schliesslich auf die Herstellung von Möbeln oder besser «möbel-artigen Objekten» fiel, mit Betonung auf Art, sprich Kunst. Im Design stilvoll und farbenfroh, so mein Anspruch, sollte jedenfalls allen Kreationen mit reizvollen Details im Erscheinungsbild etwas Märchenhaftes innewohnen. Gleichzeitig dennoch, so das Konzept, müssten die Objekte auf jeden Fall praktisch, sinnvoll nutzbar und durabel sein.
Über etliche Jahre hinweg ist nun mittlerweile ein umfangreiches Werk entstanden, erkennbar in vielfältiger Erscheinungsform, mit eigenem unverkennbarem Charakter.
Dass die visuelle Ausgestaltung und Formensprache nicht nur gezwungenermassen rechtwinklig und geradlinig sein muss, sieht man offensichtlich in der Baukunst und der Architektur vom späten Mittelalter bis heute. Bereits frühe Baumeister, wie auch heute tätige Kunst- und Architekturschaffende waren und sind überzeugte Verfechter und entsprechend erfolgreiche Vertreter dieser organischen, nicht linearen Bauweise, klar ersichtlich am weitgehenden Verzicht auf rechte Winkel.
Kathedrale Notre Dame d’Amiens, France, von Robert of Luzarches
Foto: Manfred Dubach
Sie ist aufwändig und recht anspruchsvoll, neben Phantasie und Ideenreichtum erfordert die ganze Formgebung gutes räumliches Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick. Es braucht zudem reichlich Kraft, das recht sperrige, stabile Kartonmaterial umzuformen und zu bearbeiten. Durch die hohe Festigkeit des Materials und Kenntnis von Statik entstehen schliesslich sehr stabile Konstruktionen, aber dennoch sind sie leicht an Gewicht.
Der fertige Rohbau wird für die letzten Schritte, das Farbdesign und Detaildekor sorgfältig mit farbigen, handgeschöpften Japan-Papieren und anderen speziellen Designer-Papieren in mehreren Schichten überzogen. Die meisten Oberflächen sind abschliessend mit Bienenwachs behandelt, das Objekt ist nun «ready for use».
Ein Rohstoff – wiederum zu neuem Leben erweckt, ist recycelt, upcycelt und damit sinnvoll wie auch phantasievoll wiederverwertet.